Forum für Universität und Gesellschaft

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Porträt-Aufnahme von Virginia Richter, Professorin am English Department der Universität Bern
«Ich freue mich sehr auf diese neue, facettenreiche Aufgabe»: Prof. Dr. Virginia Richter wird neue Forumspräsidentin.

Wechsel im FUG-Präsidium

Prof. Dr. Virginia Richter wurde vom Senat der Universität Bern zur Präsidentin des Forums für Universität und Gesellschaft gewählt. Sie übernimmt das neue Amt per 1. Februar 2021 von ihrem Vorgänger Prof. Dr. med. Thierry Carrel. Zu ihrem Amtsantritt haben wir ihr ein paar Fragen gestellt.

Prof. Virginia Richter, Sie werden per 1. Februar 2021 die erste Präsidentin des Forums für Universität und Gesellschaft. Was bedeutet diese Wahl für Sie?

Ich freue mich sehr auf diese neue, facettenreiche Aufgabe. Dass es im Jahr 2021 noch hervorgehoben werden muss, wenn eine Frau in einer Führungsposition ‘die Erste’ ist, ist bemerkenswert – eigentlich sollte dies inzwischen normal sein. 

Sie sind ja bereits seit 2010 Mitglied des Forums für Universität und Gesellschaft. Was schätzen Sie an diesem Gefäss? 

Das Forum ist eine von verhältnismässig wenigen Einrichtungen, in denen Universitätsangehörige aller Fachrichtungen mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wirtschaft und anderer gesellschaftlicher Bereiche darüber diskutieren können, welche Fragen gerade auf den Nägeln brennen. Die Möglichkeit, solche relevanten und aktuellen Themen in leicht zugänglichen Formaten in die breitere Öffentlichkeit zu tragen, erfüllt wichtige Funktionen für den Dialog zwischen Universität und Gesellschaft: Der Wert von Expertenwissen kann vorgeführt werden, zugleich müssen die Vortragenden ihre Erkenntnisse anschaulich und allgemeinverständlich vortragen. Veranstaltungen des Forums sind also fantastische Gelegenheiten zu zeigen, dass die Universität eben kein Elfenbeinturm ist.

Das Forum ist vom gegenwärtigen Versammlungsverbot stark betroffen. Wie sehen Sie seine Zukunft in einem von Digitalisierung geprägten Umfeld?

Der Digitalisierungsschub, den wir alle gerade mitmachen, ermöglicht zwar das Funktionieren unter Pandemiebedingungen, wir erleben aber auch, wie sehr das soziale Leben dadurch verarmt. Präsenzveranstaltungen, die auch den informellen Austausch während der Pausen und beim Apéro ermöglichen, wird es in Zukunft wieder geben. Sie sind für das Forum unersetzlich. Die Digitalisierung erlaubt es, Veranstaltungen leichter zu verbreiten und zu archivieren, also beispielsweise Vorträge als Podcasts zugänglich zu machen.

Gibt es Ziele, die Sie in Ihrer Präsidentschaft gerne erreichen möchten?

Es wäre schön, schneller auf aktuelle Themen reagieren zu können. Ein Forumsprojekt vorzubereiten dauert typischerweise zwei Jahre. Ich würde mit dem Team des Forums gern über flexiblere Formate nachdenken, die auch einmal an Orten ausserhalb der Universität stattfinden könnten – z.B. eine Diskussion über Biodiversität im Botanischen Garten. Damit könnte man auch ein jüngeres Publikum erreichen.

Sie sind mit Prof. Isabelle Noth Co-Leiterin des Forumsprojekts «Neue Gräben und Mauern». Worum geht es Ihnen bei diesem Thema?

Wo wir auch hinschauen, sehen wir Beispiele für den Zusammenbruch einer zivilen Diskussionskultur, bis hin zu gewalttätigen Übergriffen auf politische Symbole, bis hin zu Mord. In unserem Projekt wollen wir den Ursachen dieser neuen Hass(un)kultur, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht, nachgehen, aber auch nach möglichen Lösungen fragen. Wir bringen dazu Fachleute verschiedener Disziplinen – etwa der Psychologie, der Philosophie und der Geschlechterforschung – ins Gespräch mit Menschen, die sich in der Alltagspraxis mit Hass und Gewalt auseinandersetzen.

Weitere Informationen

Website von Prof. Dr. Virginia Richter, Universität Bern, Department of English